Freitag, 4. März 2022, 20.00 Uhr
Grosser Konzertsaal Solothurn
1. Abonnementskonzert


 

Programm

Krzysztof Penderecki                   3 Stücke im alten Stil (1963) für Streichorchester nach

                                                        Filmmusiken zu "Tagebuch von Saragossa"

                                 

W.A. Mozart                                   Konzert A-Dur KV 622 für Klarinette und Orchester

             

W.A. Mozart                                   Sinfonie Nr. 1 Es-Dur KV 16

Franz Ignaz Danzi                         Fantasie über "Là ci darem la mano" aus Mozarts 
                                                        Oper "Don Giovanni"  für Klarinette und Orchester

 

Solist:

Bernhard Röthlisberger, Klarinette
 

Der Solothurner Klarinettist Bernhard Röthlisberger ist der Solist im Konzert des Solothurner Kammerorchesters vom 4. März 2022.  Seit Jahren gehört er zu den vielseitigsten Musikern der Schweizer Klassik-Szene. Nach fast zwanzig Jahren im Luzerner Sinfonieorchester wurde er 2010 Soloklarinettist des Berner Symphonieorchesters, dazu unterrichtet er an den Musikhochschulen Zürich und Bern und gibt Meisterkurse in ganz Europa. - Als Solist trat er mit international renommierten Dirigenten wie Jonathan Nott, Reinhard Goebel, Vasily Petrenko, John Neschling, Marc Piollet oder Mario Venzago auf.  Seine CD-Aufnahmen für Gallo, pan classics, Claves, Naxos und Musiques Suisses erhielten wiederholt Bestnoten von der Fachpresse.

Bernhard Röthlisberger ist künstlerischer Leiter des Ensembles „Les Solistes de Berne“ sowie der Internationalen Meisterkurse Rheinau.

Zu den Werken:

Die Drei Stücke im alten Stil für Streichorchester schrieb Krzysztof Penderecki im Jahr 1963 für das Leinwandopus ‚Die Handschrift von Saragossa‘ des polnischen Regisseurs Wojciech Jerzy Has. Der Film, dessen Vorlage der Roman «Die Abenteuer in der Sierra Morena oder die Handschriften von Saragossa» von Jan Graf Potocki (1761-1815) bildet, schwelgt in Orts- und Zeitmontagen. Die von Penderecki im elektronischen Studio des Warschauer Rundfunks geschaffenen Klangmontagen steuerten die akustische Atmosphäre bei. Für Szenen im barocken oder auch rokokohaften Ambiente komponierte Penderecki die ‚Drei Stücke im alten Stil’.

Für Krzysztof Penderecki (1933 – 2020), führender Komponist der polnischen Avantgarde, dessen Tonsprache in den frühen 1950er Jahren im Spannungsfeld von Geräusch und Klang zu neuen Möglichkeiten des kompositorischen Ausdrucks führte, standen Avantgarde und Tradition nicht in Widerspruch, er vertrat eine Ästhetik der Synthese: „Ich habe Jahrzehnte damit verbracht, neue Klänge zu suchen und zu finden. Gleichzeitig habe ich mich mit Formen, Stilen und Harmonien der Vergangenheit auseinandergesetzt. Beiden Prinzipien bin ich treu geblieben». Sein Oeuvre umfasst alle musikalischen Gattungen. Er sagt von sich: „Ich bin einer der letzten Vertreter der großen Form, der alles schreibt: Sinfonien, Opern, Oratorien, Konzerte und Kammermusik. Ich arbeite wie ein Komponist des 19. Jahrhunderts, der alles können musste, auch Dirigieren.“ Penderecki war ein Künstler, der unerschrocken auch zu aktuellsten Fragen der Gesellschaft, Politik und Religion Stellung nahm.

Konzert A-Dur KV 622 für Klarinette und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart lernte die Klarinette auf seinen Reisen kennen. In Mannheim äusserte er sich 1778 begeistert über dieses Instrument. Erprobt hat er es erst in seinen Spätwerken. Das einen Monat vor seinem Tod fertiggestellte Klarinettenkonzert ist sein letztes Instrumentalkonzert und das einzige Konzert von Mozart für die Klarinette. «Ein Konzert für die Clarinette, für Herrn Stadler den Älteren», lautet die Widmung. Die mit Mozart befreundeten Brüder Johann und Anton Stadler machten in Wien derzeit durch ihr Spiel auf der Klarinette und der tieferen Bassettklarinette Furore. Durch sie wusste Mozart genau, was er dem Instrument und seinen Spielern abverlangen konnte und wo deren Qualitäten sind. Die Uraufführung fand am 16. Oktober 1791 in Prag statt.

In den beiden Ecksätzen lotet Mozart alle technischen Möglichkeiten des Instrumentes aus. Im zweiten Satz geht Mozart mit dem musikalischen Material äusserst sparsam um, - Schlichtheit als Kompositionsprinzip: Eine scheinbar einfache Melodie, angelegt in dreiteiliger Liedform.

Auffallend ist auch die Besetzung des Konzerts: Die Bläsergruppe besteht nur aus Flöten, Fagotten und Hörnern, was der Solo-Klarinette ein leichtes Durchkommen ermöglicht. Zudem sind Cello und Kontrabass voneinander getrennt und der Kontrabass sparsam eingesetzt. Das lichtet den Orchestersatz und verleiht ihm Transparenz.

Sinfonie Nr. 1 Es-Dur KV 16 von Wolfgang Amadeus Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte diese Sinfonie im Jahr 1764/65 als acht-, bzw. neunjähriges Kind. Seit April 1764 hielt sich die Familie Mozart in London auf. Die Gesundheit der Familie war angeschlagen. Wolfgangs Schwester Maria Anna, genannt Nannerl berichtet: „Den 5ten August mussten wir außer der Stadt London in Chelsea ein Landhaus miethen, damit sich der Vatter von einem gefährlichen Halswehe erholen konnte, welcher ihn fast am Rande des Todes brachte (…) als unser Vater bis zum Tode krank lag, durften wir kein Klavier berühren. Um sich also zu beschäftigen, komponierte Mozart seine erste Symfonie mit allen Instrumenten (…). Ich musste sie, neben ihm sitzend, abschreiben. Indem er komponierte, und ich abschrieb, sagte er zu mir: Erinnere mich, dass ich dem Waldhorn was Rechts zu thun gebe!“

 

Möglicherweise handelt es sich bei KV 16 nicht um Mozarts erste, sondern lediglich um die erste erhaltene Sinfonie. Die Uraufführung von KV 16 fand am 21. Februar 1765 statt, eine weitere Aufführung beim Londoner Abschiedskonzert der Mozarts am 13. Mai 1765. Angekündigt wurde sie noch nicht als Sinfonie, sondern noch als Ouvertüre. Vater Leopold ließ den Sohn in dieser Zeit Sinfonien von bekannten Zeitgenossen, z. B. Carl Friedrich AbelJohann Christian Bach, J. G. Eckard, Hermann Friedrich Raupach studieren. Wolfgang tat dies u. a. dadurch, dass er eine Sinfonie von Abel in Es-Dur komplett abschrieb und nach diesem Muster eine weitere Sinfonie (KV 19) anfertigte. Noch benutzt Mozart die dreisätzige italienische Form. Kurz darauf folgten in Wien viersätzige Werke. Einzelne Stellen weisen bereits voraus auf kommende Werke und tragen einen nahezu opernhaften Gestus in sich, doch noch überwiegt der Charakter des zeittypischen «galanten Stils».

 

Fantasie für Klarinette und Orchester über «Là ci darem la mano» aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper «Don Giovanni» von Franz Ignaz Danzi

Franz Ignaz Danzi, geboren am 15. Mai 1763 in Schwetzingen, gestorben am 13. April 1826 in Karlsruhe war deutscher KomponistKapellmeister, Violoncellist, Kompositionslehrer, Schriftsteller und Publizist. Als Sohn des italienischen Violoncellisten Innocenz Danzi wurde Franz Ignaz Danzi zunächst vom Vater und dann von Georg Joseph Vogler unterrichtet. Nach den Wirkungsorten Mannheim, München, Stuttgart, und prägenden Studienreisen nach Hamburg, Leipzig, Prag und Oberitalien übernahm Danzi die Stelle des Hofkapellmeisters an der Badischen Hofkapelle Karlsruhe, die er bis zu seinem Tod innehatte. Die tiefe Freundschaft zum Komponisten Carl Maria von Weber, dem er nicht nur älterer Freund, sondern auch treuer Mentor und Förderer war, zeichnete sich auch aus durch die gemeinsame hohe Verehrung W. A. Mozarts. Letzterem war Danzi als 15-jähriger in Mannheim begegnet. Von seinen Zeitgenossen wurde Danzi sowohl als produzierender wie reproduzierender Künstler stark beachtet. Aus historischer Distanz beurteilt, kann Danzi als ein Wegbereiter der Romantik beurteilt werden. Das überaus vielseitige Schaffen Danzis – er hinterließ Opern, Oratorien, Sinfonien, Solokonzerte und zahlreiche kammermusikalische Werke – trägt deutlich die Züge der Zeit, da die frühe Romantik die Klassik abzulösen begann. Der Reiz seiner Werke liegt vor allem in ihrer lebendigen rhythmischen Gestaltung, organisch verbunden mit sehr gesanglicher Führung der Stimmen; auch wusste Danzi in genauer Kenntnis alle Lagen und Register der Instrumente auszunutzen. Die Liebe und Faszination zur Klarinette, die ihn verband mit C.M. von Weber und W.A. Mozart, der seinem Vater aus Mannheim »Ach, wenn wir nur auch Clarinetti hätten!« schrieb, inspirierte Danzi zu seiner wohlklingenden, unterhaltsamen, virtuosen Fantasie zur berühmten Arie Don Giovannis. Die einschmeichelnde Melodie »Là ci darem la mano«, mit der der Lebemann Don Giovanni in der gleichnamigen Oper das Bauernmädchen Zerlina verführt, diente Franz Danzi als Grundlage für eine Reihe von Variationen.

ust/01.22/Quellen: Wikipedia; Musik in Geschichte und Gegenwart MGG; div. Presseberichte