28. August 2020

Grosser Konzertsaal Solothurn

Programm

Franz Joseph Haydn                                                       Sinfonie D-Dur Hob.I:104 ("Die Uhr")

1732 - 1809                                                                     Adagio/Presto - Andante - Menuetto: Allegretto - Finale: Vivace 

Ludwig van Beethoven                                                  Romanze Nr. 2 F-Dur op. 50

1770 – 1827                                                                       

                                                                                              

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Richard Flury                                                                    Intermezzo aus der Oper "Der schlimm-heilige Vitalis"
1896 - 1967                                                                                                                                                                                         

 

Giovanni Battista Viotti                                                   Konzert für Violine und Orchester Nr. 22 a-Moll

1756 – 1791                                                                      Moderato – Adagio - Agitato assai

 

                                                                                            Konzertmeisterin: Franziska Grütter                                            

                   

Solist

Daniel Kobyliansky, Violine

Daniel Kobyliansky wurde im Jahr 1973 in Moskau geboren. Als Siebenjähriger studierte er an der Gnessin

Musikschule für begabte Kinder, wo er von L. Mazur und seinem Vater unterrichtet wurde. Mit 17 Jahren

trat er in die Musikakademie Tel Aviv ein, wo er bei Y. Kless und I. Svetlova studierte. 1997-99 ergänzte

Daniel Kobyliansky seine Studien bei D. Schwarzberg in Wien.

Bereits während des Studiums wurde er Preisträger vieler Wettbewerbe.

Als vielseitiger Musiker hatte Daniel Kobyliansky immer versucht, sich ein möglichst breites Repertoire

anzueignen und in verschiedenen Formationen aufzutreten.

Als Solist interpretierte er eine Reihe grosser Violinkonzerte, u.a. mit den Zagreb Philharmonikern

und dem Symphonieorchester Jerusalem.

Als Kammermusiker trat er in verschiedensten Besetzungen auf, mit Partnern wie P. Kopatschinskaja, 

S. Gabetta, K. Lifschitz und D. Ashkenazy.

Zudem war er zwei Jahre Konzertmeister des Kammerorchesters „Arpeggione“ und 16 Jahre

Konzertmeister des Symphonieorchesters Biel Solothurn.

Ab 2018 spielt Daniel Kobyliansky erste Geige im „Faust“ Streichquartett.

Auch seine weiteren Projekte beinhalten sowohl solistische Tätigkeit als auch

Orchester- und Kammermusikalische Auftritte.

Werke

Gian Battista Viotti – Geigenvirtuose und Komponist

Gian Battista Viotti wurde in der kleinen Gemeinde Fontanetto Po, in der Nähe von Turin, aus ärmlichen  Verhältnissen geboren. Im Alter von 15 Jahren wurde er Schüler des bekannten Geigers Pugnani in Turin, dort war er ab 1775 auch Mitglied der Königlichen Kapelle. Bereits als gefeierter Violinvirtuose liess er sich nach Konzertreisen durch ganz Europa in Paris nieder, wo er 1782 sein erstes Konzert bei den Concerts spirituels gab. Er wirkte als Opernimpresario, hatte enge Beziehungen zum Königshof und stand zeitweise im Dienst von Marie Antoinette, was zur Folge hatte, dass er vor der französischen Revolution 1792 nach London fliehen musste. Dort wirkte er als Virtuose (auch an den Haydn-Konzerten 1794/95) und war Mitbegründer der Royal Philharmonic Society. Aufgrund politischer Intrigen musste Viotti England vorübergehend verlassen und zog sich ganz aus dem öffentlichen Musikleben zurück. Nach der Restauration kehrte er 1818 nach Paris zurück und wirkte wieder als Opernimpresario, u.a. auch der Grand Opéra. 1823 kehrte Viotti mit seiner Lebensgefährtin Margaret Chinnery nach London zurück, wo er im folgenden Jahr starb.

Viotti komponierte hauptsächlich für die Violine: 70 Sonaten und 29 Konzerte sind erhalten. Seine Konzerte wurden von allen Geigenvirtuosen gespielt, auch von Paganini und Spohr, in deren eigenen Konzerten der Einfluss Viottis deutlich ist. Mozart erweiterte die Besetzung des 16. Konzertes mit Trompeten und Pauken, was dessen Anerkennung für die Werke Viottis bezeugt. Das bekannteste und meist gespielte der Violinkonzerte ist dasjenige in a-Moll (Nr. 22), das um 1803 entstand. Johannes Brahms schrieb dazu an Clara Schumann: «Es ist ein Prachtstück, von einer merkwürdigen Freiheit in der Erfindung; als ob er phantasiere, klingt es, und ist alles meisterhaft gedacht und gemacht…». 

 

Ludwig van Beethovens Violinromanzen

Mit seinen beiden Violinromanzen schuf Beethoven eine neue Musikgattung, die in der Folge von vielen Komponisten übernommen wurde. Das Werk in F-Dur, mit der Opuszahl 50 ist um 1798 entstanden, also vor der G-Dur Romanze mit der Opuszahl 40, wurde aber erst nach dieser veröffentlicht; sie trägt deshalb die Nummer 2. Ein eröffnendes lyrisches Thema der Violine wird in der Folge vom Orchester wiederholt und von Soloinstrument und Orchester variiert.

Richard Flury als Opernkomponist

Richard Flury schrieb vier Opern, deren zwei im Städtebund-Theater Solothurn uraufgeführt wurden, die italienisch-sprachige Oper „Casanova e l’Albertolli“ in Lugano. Die zweite Oper „Die helle Nacht“ wurde am Radio Bern uraufgeführt und gesendet.

Die letzte Oper „Der schlimm-heilige Vitalis“ entstand 1963 und basiert auf der gleichnamigen Novelle von Gottfried Keller, die zur Sammlung „Sieben Legenden“ (1872) gehört. In dieser quirlig-intriganten Verwechslungskomödie geht es um einen Mönch, der den Opferstock plündert, damit er eine Prostituierte besuchen kann, um sie von ihrem sündigen Leben abzubringen. Natürlich gelingt ihm dies nicht und er gerät selber in die Fänge ihrer Zofe, die ihn überzeugt, den heiligen Stand aufzugeben und sie zu heiraten. In grosser Spannung wartet das Volk, ob Vitalis darauf eingeht. Bevor die Auflösung erfolgt, erklingt das „Intermezzo“ vor dem letzten Akt als retardierendes Moment.

Joseph Haydns Sinfonie Nr. 101

Diese Sinfonie in D-Dur gehört zu Haydns Londoner Sinfonien. Er komponierte sie im Rahmen seiner zweiten Englandreise, zum Teil noch in Wien;  die Uraufführung fand am 3. März 1794 in London statt. Das Werk wurde begeistert aufgenommen. Der „Morning Chronicle“ schrieb dazu: „Nichts könnte origineller sein als das Thema des ersten Satzes; und hat er einmal ein treffliches Thema gefunden, kann niemand besser als Haydn unaufhörliche Mannigfaltigkeit daraus schöpfen, ohne auch nur einmal davon abzulassen. Die Gestaltung der Begleitung im Andante, obgleich höchst schlicht, war meisterhaft, und wir hörten nie zuvor einen reizvolleren Effekt als den des Trios im Menuett. – Es war Haydn, was könnte man, was bräuchte man mehr zu sagen?“   Man kann wirklich nicht mehr sagen: Haydns Meisterschaft ist unermesslich: Nach der langsam-düsteren Einleitung in Moll beginnt der schnelle erste Satz im pianissimo, um dann in einen Klangrausch mit dem ganzen Orchester auszubrechen. Die wunderschöne lyrische Melodie des zweiten Satzes wird von durchgehenden Achteln, z. T. im pizzicato, begleitet, was an das Ticken einer Uhr erinnert. Besonders originell ist auch das (aussergewöhnlich lange) Menuett: «Der Beginn des Trios wirkt so, als habe der Flötist seinen Einsatz vergessen und würde damit die begleitenden Streicher so verunsichern, dass diese den Orgelpunkt auf D-Dur fortsetzen und nicht mit der eigentlich zu erwartenden Harmonie dem Verlauf der Melodie folgen. Die dabei entstehende Dissonanz zwischen Flöte und Streichern ist immer wieder als Ausdruck von Haydns musikalischem Humor gehört worden, nämlich als Karikatur einer Provinzkapelle, in der die Solisten ihre Einsätze verpassen und die Streicher beim Spielen einschlafen.» (Regula Brack, 2007). Der bewegte letzte Satz ist besonders gewichtig und lang, was bei Haydn eher unüblich ist. Dieses Schema übernimmt der Haydn-Schüler Beethoven, der die Komposition dieses letzten Satzes erlebt haben dürfte.

Der Beiname „Die Uhr“ stammt vom Wiener Verleger Johann Traeg, der 1798 eine Klavierfassung des Andante als „Rondo. Die Uhr“ herausbrachte.

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