Sonntag, 28. November 2021, 16.00 Uhr
Jesuitenkirche Solothurn
Adventskonzert

Zutritt nur mit Covid-Zertifikat (ab 16 Jahren)
 

Programm

 Urs Joseph Flury                      "Soledurner Wiehnechtsoratorium"
                                                    
Vorspiel und Hirtenmusik
Edmund Wyss                           Wiegenlied
                                                    
instrumentiert von U.J. Flury
J.S. Bach                                     Choralvorspiel "Nun komm der Heiden Heiland" BWV 659

                                                    Choralvorspiel "In dulci jubilo" BWV 608
Joseph Haydn                           Konzert für Orgel und Orchester C-Dr Hob.XVIII:1
                                               
      Allegro moderato - Largo - Allegro molto
J.S. Bach                                     Präludium und Fuge d-Moll BWV 539
Ralph Vaughan-Williams         Fantasia on "Greensleeves"
Edward Elgar                            "Sospiri"
Pau Casals                                "El pessebre" (Weihnachtsoratorium)
                                                   
Preludi (Sardana)
                                                             instrumentiert von U.J. Flury

Solist: Bruno Eberhard

Orgel

 

Geboren 1941 in Bütschwil/SG. Erster Klavier- und Orgelunterricht

bei seinem Vater. Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Rorschach

(Klavier bei Lisel Stammbach, Orgel bei Paul Schmalz) Musikstudium

an der Musikakademie Zürich. Lehrdiplome für Orgel bei Hans

Gutmann und für Klavier bei Amadeus Schwarzkopf. Konzertdiplom

mit Auszeichnung für Orgel bei Hans Gutmann. Weitere Studien

bei Siegfried Hildenbrand, St. Gallen, Anton Heiller, Wien und Werner

Jakob, Nürnberg.

 

 

1969-2009 Domorganist an der St. Ursen-Kathedrale in Solothurn. Lehrauftrag für Orgel und Klavier an der Kantonsschule Solothurn(1972-2004). Mehrere CD-Einspielungen mit „Musik für zwei Orgeln“ zusammen mit Hanni Widmer, 2003 CD mit Orgelwerken von Solothurner Komponisten im Auftrag der Richard Flury-Gesellschaft. Radio-Aufnahmen. Konzerttätigkeit im In- und Ausland. Initiant und künstlerischer Leiter der Sommer-Konzertreihe „Orgelmusik in der St. Ursen-Kathedrale Solothurn“ seit 1988. Auszeichnungspreis für Musik 2008 des Kantons Solothurn.

Zu den Werken

Auftakt und Ausklang: Musik aus zwei aussergewöhnlichen Weihnachtsoratorien

 

Zu Beginn des Konzertes erklingen Vorspiel und Hirtenmusik aus dem „Soledurner Wiehnechtsoratorium“ von Urs Joseph Flury. Im Adventskonzert 1983 durfte das Solothurner Kammerorchester dieses Werk uraufführen und in der Folge auf CD einspielen.

 

Urs Joseph Flury wurde zu dieser Komposition durch das Oratorium „El pessebre“ von Pau Casals inspiriert, das in katalanischer Sprache verfasst ist und somit ebenfalls aussergewöhnlich ist. Casals verkehrte im Haus Flury und war zwei Mal Cellosolist unter Richard Flury in Solothurn. Es existiert ein hübsches Foto von Urs Joseph als Säugling mit der handschriftlichen Widmung „Ton admirateur Pau Casals“.

 

Casals war ein glühender Vertreter der republikanischen Regierung Spaniens und der Region Katalonien. Bei Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs ging er ins Exil nach Prades in Südfrankreich, nahe der spanischen Grenze. Dort organisierte er ein Festival, das die Familie Flury wiederholt besuchte. Die Eindrücke, die Urs Joseph dort, auch bei den Proben im Haus des Meisters, erfuhr, beeinflussten ihn entscheidend, Musiker zu werden.

Weltweites Aufsehen erregte Casals, als er 1945 auf dem Höhepunkt seiner Karriere eine laufende Tournee abbrach und keine Konzerte mehr gab, um seinen Protest gegen die Franco-Diktatur zum Ausdruck zu bringen. Im Rahmen dieses „persönlichen Kreuzzuges für den Frieden“ begann er die Komposition seines Friedensoratoriums, wie er es nannte, „El Pessebre“, auf den katalanisch verfassten Text des ebenfalls nach Prades geflüchteten Dichters Joan Alavedra (1896–1981). Casals instrumentierte das Oratorium nicht selbst, dies tat sein Bruder Enrique, der ebenfalls Musiker war. In dieser sehr gross instrumentierten Fassung erlebte das Werk 1960 in Puerto Rico (der Wahlheimat Casals, aus der er nie mehr nach Spanien zurückkehrte) seine Uraufführung. Für die Aufführung durch das Solothurner Kammerorchester hat Urs Joseph Flury eine neue Instrumentation des Vorspiels („Preludi“) für ein kleineres Orchester geschaffen. Dieses Vorspiel ist als Sardana gestaltet, dem katalanischen Volkstanz, zu dem das oboenartige Holzblasinstrument „tible“ eine wichtige Klangnote beisteuert.

 

Zwei Choralvorspiele und die „Geigenfuge“ von J.S. Bach

 

In die Orchesterwerke eingestreut spielt Bruno Eberhard auf der Orgel des Orgelbauers Franz Joseph Otter aus Aedermannsdorf (aus den Jahren 1791 – 1794) zwei Vorspiele zu weihnächtlichen Chorälen, nämlich «Nun komm, der Heiden Heiland» und «In dulci jubilo» sowie Präludium und Fuge d-Moll BWV 539. Das letztere Werk ist in mehrfacher Hinsicht ein Sonderfall: Das Präludium ist als einziges Präludium  aller Bach’schen Präludium-Fuge-Kombinationen rein „manualiter“ gesetzt (also ohne Pedal), und die Fuge ist keine Originalkomposition, sondern die Bearbeitung der Fuge aus der Sonate in g-moll für Violine solo; deshalb wird diese Fuge auch „Geigenfuge“ genannt.

Joseph Haydns bekanntestes Orgelkonzert

Von Joseph Haydns Konzerten für ein Tasteninstrument und Orchester sind elf erhalten. Nur beim Konzert C-Dur Hob. XVIII:1 findet sich im Autograph der Hinweis «Concerto per l’organo». Bei allen anderen Konzerten fehlt eine solche Angabe, d.h. es bleibt offen, ob ein Cembalo, ein Klavier oder eine Orgel als Soloinstrument gemeint war. Das aufgeführte Konzert kann also als Haydns einziges (sicheres) Orgelkonzert bezeichnet werden. Es entstand im Jahre 1756 aus Anlass der Ablegung des Ordensgelübdes von Haydns Jugendliebe Therese Keller.

Spätromantische Miniaturen

Der englische Komponist Edward Elgar hat neben seinem grossen sinfonischen und instrumentalen Werk auch Kammermusik komponiert. Als Pendant zu seinem Werk «Salut d’amour» für Violine und Klavier aus dem Jahr 1888 beabsichtigte er ein ähnliches Stück, mit dem Titel «Soupir d’amour», zu komponieren. Im Lauf der Kompositionsarbeit realisierte er, dass das Werk viel gewichtiger wurde, und er setzte es daher für Orchester (mit Harfe und Harmonium) und gab ihm den Titel «Sospiri». Es entstand kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges und wurde am 15. August 1914 uraufgeführt. Widmungsträger ist der Konzertmeister des London Symphony Orchestra, W.H. Reed, ein Freund Elgars.

Das «Wiegenlied» (aus den Klavier-Skizzen op. 1) hat Edmund Wyss 1909 «der zukünftigen Gattin gewidmet». Das kurze Werk wurde von Urs Joseph Flury für das Adventskonzert des Solothurner Kammerorchesters instrumentiert.

Ralph Vaughan-Williams war ein sehr produktiver englischer Komponist, der nicht nur Sinfonien und Instrumentalkonzerte schrieb, sondern auch zahlreiche Opern. Aus der Oper «Sir John in Love» (der Falstaff-Stoff) stammt die «Fanatsia on Greensleevs», einem sehr populären Volkslied aus elisabethanischer Zeit.

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