Unser nächstes Konzert

Jesuitenkirche Solothurn

Sonntag, 29. November 2020, 16.00 Uhr

Programm

Giuseppe Sammartini                             Concerto grosso op. 5 No. 6 “Weihnachtskonzert”

1695 – 1750                                                 Spiritoso/AllegroSpiritoso- Allegro moderato e grazioso –

                                                                      Pastorale: Andante sostenuto  

 

                                                                       Soloviolinen: Franziska Grütter und Michael Keller,

                                                                       Solocello: Matthias Walpen

 

Claude Balbastre                                       “Votre bonté grand Dieu” für Orgel solo

1724 – 1799

 

Georg Friedrich Händel                           Konzert für Orgel und Streicher F-Dur op. 4 Nr. 4

1685 – 1759                                                  Allegro – Andante – Allegro

 

Louis-Claude Daquin                                Noël VI für Orgel solo

1694 – 1772

 

Edmund Wyss                                              Wiegenlied

1867 – 1929

 

Dino Ghisalberti                                         Intermezzo natalizio

1891 – 1949                                                  

 

Richard Flury                                               Weihnachten

1896 – 1967

 

Alexander K. Glasunow                            “Les chanteurs de Noël”

1865 – 1936                                                   Fassung für Streicher von Paul Angerer

                                                                         Andante – Allegro

 

                                                                         Konzertmeisterin: Franziska Grütter

                                                                         Continuo: Robert Flury       

 

Solist   

 

Benjamin Guélat ist 1978 in Bure (JU) geboren. Seinen ersten Orgelunterricht bekam er von

Benoît Berberat in Porrentruy. Nach einem abgeschlossenen Mathematikstudium an der

ETH Zürich wandte er sich der Musik zu und studierte Orgel bei den Professoren Guy Bovet,

Rudolf Lutz und Martin Sander an der Musik-Akademie Basel, wo er die Lehr-, Konzert- und

Solistendiplome sowie den Master in historischer Improvisation erhielt.

Der Hans-Balmer-Preis, der das beste Orgeldiplom auszeichnet, wurde ihm zweimal verliehen.

Als Kirchenorganist amtete er 2001-2009 in der Kirche St-Marcel in Delémont, 2009-2017

in der Kirche Maria Krönung in Zürich-Witikon. Seit Juni 2017 ist er Domorganist in Solothurn.

In seiner regen Konzerttätigkeit ist es ihm ein Anliegen, das klassische Orgelrepertoire

möglichst aller Epochen und Stile zu pflegen. Als Spezialisierungen widmet er sich unter

anderem der Stilimprovisation und der Stummfilmbegleitung.

 

Werke

 

Giuseppe Sammartini – Oboenvirtuose und Komponist

Giuseppe Sammartini wurde als Sohn des französischen Oboisten Alexis Saint-Martin in Mailand geboren. Er wurde ebenfalls Oboist und wirkte im Mailänder Teatro Regio Ducale, bis er 1728 nach London auswanderte, wo er im King’s Theatre gefeierter Virtuose war. Er wird daher «Londoner» Sammartini genannt, während sein Bruder, der Komponist Giovanni Battista, in Mailand blieb («Mailänder» Sammartini).

Sammartini komponierte, neben Kammermusik, Concerti grossi und Ouvertüren, vor allem Werke für Oboe, Flöte und Blockflöte, welch letztere heute zum Standardrepertoire für diese Instrumente gelten und oft gespielt werden.

Das aufgeführte Werk hat Sammartini aus einer Triosonate zu einem Concerto grosso erweitert; die Bezeichnung «Weihnachtskonzert» leitet sich aus dem abschliessenden Pastoralsatz in F-Dur ab, wie er in den Concerti grossi der italienischen Komponisten jener Zeit üblich war.

 

Georg Friedrich Händels Orgelkonzert wird eingerahmt von zwei Weihnachtsstücken barocker Organisten und Komponisten aus Frankreich:

Claude Balbastre wurde nach dem ersten Orgelunterricht bei seinem Vater von Claude Rameau, dem Bruder des Komponisten Jean-Philippe Rameau ausgebildet. Durch dessen Vermittlung fand er Zugang zur Pariser Adelsgesellschaft und erhielt viele hochangesehene Posten, 1760 wurde er Organist an der Kathedrale Notre Dame. Am Hof wirkte er für den König und dessen Bruder, Marie Antoinette war seine Cembalo-Schülerin. Mit den Potentaten der französischen Revolution arrangierte er sich und blieb Organist an Notre Dame, musste dort aber Fantasien über revolutionäre Hymnen spielen. Das Werk «Votre bonté grand Dieu» stammt aus den «Noëls variés» (1770).

Louis-Claude Daquin war ein musikalisches Wunderkind. Er trat bereits im Alter von sechs Jahren vor Ludwig XIV. auf, mit nur acht Jahren leitete er die Aufführung einer eigenen Motette. Nach verschiedenen Organistenstellen in Paris wurde er 1755 Organist an der Kathedrale Notre Dame und war ein hochgeschätzter Musiker. Viele von Daquins Werken sind verlorengegangen. Erhalten sind u.a. die zwölf Weihnachtsliedvariationen, von denen die Nummer VI erklingt.

Georg Friedrich Händel – Erfinder des Orgelkonzerts

Händels Orgelkonzerte entstanden zwischen 1735 und 1740 und wurden von Händel selbst in den Pausen von Oratorienaufführungen gespielt; das aufgeführte Werk in F-Dur erstmals am 1. April 1735 im Rahmen des Oratoriums Athalia. Diese Orgelkonzerte stellen eine von Händel neu geschaffene musikalische Gattung dar und bilden zusammen mit den Bach’schen Cembalokonzerten den Anfangspunkt der Werke für ein Tasteninstrument und Orchester.

Weihnachtsminiaturen von Solothurner Komponisten

Die Komponisten der drei Weihnachtsminiaturen waren untereinander befreundet, hatten miteinander musiziert und sich gegenseitig kleine Werke gewidmet. Das «Wiegenlied» (aus den Klavier-Skizzen op. 1) hat Edmund Wyss 1909 «der zukünftigen Gattin gewidmet». Der hervorragende Pianist Dino Ghisalberti war während vieler Jahre bis zu seinem Tod erster Cellist des Solothurner Kammerorchesters. Als Komponist hat er viele Werke für Violoncello und Klavier hinterlassen, darunter ein «Intermezzo natalizio», komponiert 1929. Richard Flury, ehemaliger Schüler von Edmund Wyss, widmete seiner Gattin Rita an Weihnachten 1949 50 romantische Stücke für Klavier, mit der Überschrift «Skizzenmappe aus dem Bucheggberg». Das letzte Stück, ein Choral, trägt den Titel «Weihnachten».

Alle drei Miniaturen wurden von Urs Joseph Flury für Adventskonzerte des Solothurner Kammerorchesters instrumentiert.

«Chanteurs de Noël» - russische Kammermusik

Der vermögende Kunstenthusiast Mitrofan P. Belaieff veranstaltete in St. Petersburg jeden Freitag ein Privatkonzert mit Kammermusik von russischen Komponisten. Diese Werke gab er unter dem Titel «Les Vendredis» in zwei Bänden heraus. Ein an diesen Freitagskonzerten im Jahr 1888 aufgeführtes Streichquartett war eine Gemeinschaftskomposition und trug den Titel «Jours de Fête»: Der erste Satz, «Les chanteurs de Noël», stammt von A. Glasunow, der zweite, «Glorification», von A. Liadow und der dritte, «Coeur dans russe», von N. Rimskij-Korsakow.

 

U. Lips/September 2020

 

 

 

 

 

 

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